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Von Jörg Kühl - Original Artikel der MOZ

Leißnitz (GMD) Nachdem es in den letzten Wochen zu einer Häufung von Unfällen gekommen war, schlägt der Betreiber der Fähre Leißnitz-Ranzig gemeinsam mit der Wasserschutzpolizei nun Alarm. Beide wollen mit einer Aufklärungsoffensive und mit zusätzlicher Beschilderung gegensteuern.

Michael Grabarz kann es kaum fassen: Während in den vergangenen Jahren so gut wie nie etwas passiert war, kam es in diesem Jahr innerhalb weniger Wochen bereits drei Mal zu einer Havarie mit seiner Personenfähre: Jedesmal waren es Freizeitkapitäne, die trotz einschlägiger Beschilderung und trotz eingeschaltetem Warnblinklicht die fahrende Fähre mit ihren Sportbooten kreuzten und so das im Wasser quergespannte Fahrseil beschädigten. "Glücklicherweise ist dabei noch niemand zu Schaden gekommen", sagt Grabarz. Dass eine solche Havarie auch ganz anders ausgehen kann, daran lässt der Fährbetreiber keinen Zweifel: "Wenn Sie 12 Tonnen Masse abrupt stoppen, dann kann es schon zu gefährlichen Situationen kommen", so Gra-barz. Dies könne beispielsweise passieren, wenn sich das Stahlseil in eine Schiffsschraube einwickelt.

 

Bisher sind alle Beteiligten mit bloßen Sachschäden davongekommen: "Das 2400 Euro teure Seil ist zum Glück versichert", sagt Grabarz. Dennoch ärgert er sich, schließlich führt eine derartige Havarie zu einem mehrtägigen Ausfall der Fähre, vor jeder Wiederinbetriebnahme muss ein Gutachter kommen und die Konstruktion abnehmen. Die Folge sind verärgerte Fahrgäste, die am jeweiligen Ufer vor der Absperrung stehen bleiben. Außerdem muss der Fährmann Einnahmeverluste hinnehmen, und zwar in einem Geschäft, das sich auf wenige Monate pro Jahr saisonal verdichtet.

Die Wasserschutzpolizei hat nun beschlossen, in die Offensive zu gehen und für Aufklärung zu sorgen: "Den Bootsführern scheint überhaupt nicht bewusst zu sein, dass da ein Seil im Wasser liegt", sagt Jürgen Jäkel von der Wasserschutzpolizei. Der Leiter der Wache in Eisenhüttenstadt, die in Goyatz eine Außenstelle mit Polizeiboot betreibt, sieht ähnlich wie Grabarz ein erhebliches Gefahrenpotenzial, wenn Skipper trotz Verbotes die Fähre kreuzen: "Stellen Sie sich vor, Ruderer fahren in voller Fahrt gegen das quergespannte Seil. Die würden glatt geköpft werden."

Eigentlich müsste die Sachlage laut Polizei klar sein: Weit vor der Fährlinie sind auf beiden Seiten Schilder angebracht, die vor einer "Nicht frei fahrenden Fähre" warnen. Zusätzliche Schilder mahnen zur Einhaltung der Geschwindigkeit von 10 km/h sowie zur besonderen Vorsicht. Außerdem ist auf beiden Seiten ein Zusatzschild mit der Aufschrift "Achtung bei Funkellicht Querseil gespannt - Durchfahrt nicht möglich". Das letzte Schild bezieht sich auf die blinkende Warnleuchte, mit der die Fähre zusätzlich zum vorgeschriebenen "F" ausgestattet ist. "Jeder, der einen Bootsführerschein erwirbt, müsste eigentlich wissen, was das bedeutet", sagt Ekkehard Gurk von der Goyatzer Wasserpolizeistation.

Jetzt überlegen die Polizeibeamten gemeinsam mit anderen Behörden, ob eine weitere Beschilderung erforderlich ist. Michael Grabarz fordert, dass die Bootsverleiher ihre Kunden vor Antritt der Fahrt über das richtige Verhalten bei der Fähre aufklären. "Wenn das Blinklicht an ist, die Fähre also in Betrieb ist, haben alle Freizeit-Bootsführer zu warten", fügt Polizist Jäkel hinzu. "Und zwar so lange, bis die Fähre wieder in ihrem Liegeplatz in Leißnitz angekommen ist und die Leuchte aus ist."

Die Handzugseilfähre ist in Brandenburg einzigartig, wie Klaus Sass von der Schifffahrtsbehörde in Hoppegarten bestätigt. "Wir betreiben ein technisches Unikat, und das wollen wir auch noch eine Weile erhalten wissen", sagt Grabarz, der leidgeprüfte Fährmann.

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